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21. November 2009
 

Sport

 
Die Handball-Schiedsrichter Bernd Ullrich (re.) und Frank Lemme im Gespräch. Quelle: imago
Bernd Ullrich (rechts) und Frank Lemme

Schiedsrichter-Affäre

EHF sperrt deutsches Schiedsrichter-Duo

Verband betont Unschuldsvermutung

Die mit Bestechungsvorwürfen konfrontierten Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich werden vorerst kein Spiel auf europäischer Ebene pfeifen. Die Europäische Handball-Föderation (EHF) suspendierte das Duo aus Magdeburg bis auf weiteres.

 
 
 
 

"Obwohl die Unschuldsvermutung gilt, erachtet die EHF es als notwendig, zum Schutz des eigenen Rufes sowie der genannten Personen und Institutionen spezielle Maßnahmen zu ergreifen. Sie hat daher entschieden, die genannten Referees von ihren Aufgaben zu entbinden bis neue Informationen es erlauben, sie wieder einzubeziehen", teilte der Verband mit.

Ullrich bestätigt Geldfund

Die Magdeburger hätten am Mittwoch in Skopje das EM- Qualifikationsspiel Mazedonien gegen Island leiten sollen. "Das ist keine Suspendierung im Sinne einer Verurteilung", sagte EHF- Wettbewerbs-Manager Markus Glaser.

Lemme und Ullrich bestreiten, bestochen worden zu sein und Spiele manipuliert zu haben. Der russische Zoll hatte im April 2006 nach einem Europacup-Finale bei ihnen 50.000 Dollar gefunden. Diesen Fund bestätigte Ullrich inzwischen: "Als unser Flug aufgerufen wurde, gingen wir zum Gate und durch die Sicherheitskontrolle. Dort durchsuchte ein Zöllner meine Sporttasche und entnahm eine Tüte mit dem Geld.". Er und sein Partner hatten am Vortag das Final-Rückspiel Medwedi Tschechow gegen BM Valladolid geleitet, in dem die Russen den Europacup der Pokalsieger gewannen.

 

Ullrich schildert Bestechungsversuch

Ullrich berichtete zugleich von einem Bestechungsversuch vor der Partie. "Frank Lemme wurde vor dem Spiel von einem ihm bekannten Russen angesprochen, dass wir das Spiel in die richtige Richtung leiten sollten. Aber er sagte nur: 'Keine Chance, das machen wir nicht.' Er sagte mir vor dem Spiel aber nichts davon", sagte Ullrich und bezeichnete es als Fehler, den Vorfall nicht gemeldet zu haben: "Im Nachhinein hätten wir es auf jeden Fall machen sollen, aber wir hatten keine Beweise. Zudem hatten wir natürlich Angst, was wird aus unserer internationalen Karriere."

 

Ihre glanzvolle Karriere mit den Höhepunkten Olympia-Finale 2008 und WM-Finale 2005 scheint nun beendet zu sein. "Das wird die Zeit zeigen", sagte Ullrich. Er und sein Partner haben mittlerweile bei der HBL eine schriftliche Erklärung abgegeben, müssen sich aber weiteren Fragen stellen. "Sie haben uns ihre Version bereits mitgeteilt, beide Versionen können uns nicht zufriedenstellen", sagte HBL-Geschäftsführer Bohmann und stellte klar: "Wenn wir möglicherweise eine Hand voll Halunken haben, müssen die aussortiert werden und dürfen mit dem Handball nichts mehr zu tun haben."

 

EHF analysiert Kiel-Spiel

Die EHF forderte alle Schiedsrichter und Vereine auf, sowohl bei internen als auch bei juristischen Ermittlungen voll und ganz zu kooperieren. Der Verband stellte klar, dass sie die Bestechungsvorwürfe gegen die Schiedsrichter und die Manipulationsvorwürfe gegen den THW Kiel "extrem ernst" nimmt. "Die EHF möchte diese Fälle im Interesse des Handball und im eigenen Interesse vollkommen aufgeklärt haben", heißt es in einer Erklärung des Verbandes.

 

Mit Blick auf die Vorwürfe gegen den THW Kiel, der angeblich das Final-Rückspiel in der Champions League 2007 gegen die SG Flensburg- Handewitt manipuliert haben soll, führt die EHF unabhängig von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Kiel "eine technische Analyse des fraglichen Spiels durch einen externen Experten durch".

 
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