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09. Februar 2010
 

Sport

 
Schiedsrichter Darko Repensek (li.) und Janko Pozeznik (beide Slowenien). Quelle: imago/Claus Bergmann
Darko Repensek (li.) und Janko Pozeznik

Korruptionsskandal

Alte Schiedsrichter, neue Vorwürfe

Umstrittene Referees der Manipulation bezichtigt

von Erik Eggers

Auf den Manipulationsskandal im Handball-Europacup hatte sich Staub gelegt. Nun produzieren Schiedsrichter aus Slowenien und der Ukraine, die schon im Fall des THW Kiel eine Rolle spielten, neue Vorwürfe. Die Kritik richtet sich auch gegen die EHF.

 
 
 
 

Der Fall ist schon fünf Wochen alt. Aber der Zorn Viggo Sigurdssons ist nicht verraucht. "Es ist unglaublich, was die sich erlauben", sagt der Isländer, der früher Nationaltrainer war und heute die Mannschaft Fram Reykjaviks coacht. Sigurdsson meint die skandalösen Umstände dieser 17:38-Niederlage seines Klubs beim slowakischen Klub Tatran Presov in der zweiten Runde des EHF-Pokals, die er am Vorabend des Spiels prophezeit hatte: "Ich habe sofort gewusst, da wird etwas Übles ablaufen."

 

Viel Wein und hübsche Frauen

Sigurdsson saß an diesem Abend im Hotel in Presov und traute seinen Augen nicht. Sein Team hatte das Heimspiel an die Slowaken verkauft, um Kosten zu sparen, ein übliches Verfahren in den frühen Runden des Europapokals. Dieses erste Spiel hatte Fram in Presov 23:27 verloren. Am Abend aber sah die Delegation der Isländer dann, wie die beiden slowenischen Schiedsrichter Darko Repensek/Janko Pozeznik und der ungarische EHF-Delegierte Istvan Varga im Hotel mit Klubvertretern aus Presov zusammensaßen. "Es floss viel Wein", berichtet Sigurdsson, "und irgendwann kamen zwei junge hübsche Frauen, setzten sich dazu, und später verließen sie mit den Schiedsrichtern den Tisch". Handelte es sich etwa um Prostitiuerte? "So sah es aus", sagt Sigurdsson.

 

Tags darauf pfiffen die Slowenen fast alles gegen die Isländer. Die Nordmänner kassierten drei Rote Karten, und sie bekamen keinen Siebenmeter zugesprochen, während Presov acht Mal zum Strafwurf antrat. Zur Halbzeit stand es 16:7 für Presov, am Ende lagen die Slowaken mit 21 Toren vorn. Die zornigen Isländer protestierten daraufhin heftig bei der EHF-Zentrale in Wien. Niemand, der diese Bilder sehe, werde diesen "beiden Schiedsrichtern jemals wieder vertrauen", heißt es in dem Schreiben, das ZDFonline vorliegt. Aber laut Sigurdsson reagierte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer nicht angemessen. "Es gab nur arrogante Antworten aus Wien."

 

EHF hält sich bedeckt

In Wien verspricht man, den Dingen nachzugehen. Man werde "das Spiel aufarbeiten und im Zuge dieser Aufarbeitung auch diejenigen Informationen überprüfen, die uns zu Vorgängen außerhalb des Spielfeldes zugetragen werden", erklärt der zuständige EHF-Mitarbeiter Markus Glaser. Der EHF-Delegierte von Presov sowie Schiedsrichter Repensek äußerten sich auf die Anfragen von ZDFonline nicht.

 

Peinlich ist der Vorfall allemal. Schließlich zählen Repensek/Pozeznik zu den Beschuldigten im Skandal rund um die Manipulationsvorwürfe gegen den THW Kiel, der immer noch der Aufarbeitung harrt. Die Slowenen leiteten das Finalrückspiel in der Champions League 2008, als der THW nach einem 29:27-Hinspielsieg zu Hause gegen BM Ciudad Real 25:31 verlor. Der damalige THW-Coach Noka Serdarusic hatte dafür nur eine Erklärung: Die Spanier seien den Kielern beim Bestechungsversuch zuvorgekommen. Konfrontiert mit dieser Geschichte, heißt es lakonisch aus Wien: Man könne nicht alle Schiedsrichter aussortieren, die im Fall THW Kiel eine Rolle gespielt hätten.

 

Merkwürdige Nebentätigkeiten

Ein weiterer umstrittener Referee pfeift ebenfalls wieder: Der Ukrainer Alexandr Liudovyk, der mit seinem Partner Valentyn Vakula das CL-Halbfinalspiel 2008 zwischen Kiel und Barcelona geleitet hatte und ebenfalls unter dem Verdacht der Bestechlichkeit steht. Vakula wurde gesperrt, weil er versucht hatte, deutsche Schiedsrichterkollegen zu bestechen. Liudovyk, der heute mit dem Russen Chernega ein Gespann bildet, geriet ins Visier, weil er gleichzeitig als Spielerberater agiert; er pfiff auch Spiele der Rhein Neckar-Löwen, wo mit Sergej Harbok einer seiner Klienten aufläuft. Er wisse davon erklärte EHF-Generalsekretär Wiederer im Februar 2009.

 

Dennoch leitet Liudovyk heute wieder Europapokalspiele. Die EHF hat aus dem Skandal, der die Handballwelt erschütterte, scheinbar nicht viel gelernt.