In die Affäre um Manipulationsvorwürfe gegen den deutschen Handball-Meister THW Kiel könnte bald wieder Bewegung kommen: Noch in dieser Woche wird der frühere THW-Manager Uwe Schwenker vor der Staatsanwaltschaft Kiel aussagen.
"Er hat sich dazu bereiterklärt. Es geht insgesamt um die Aufklärung der Geldbewegungen", sagt Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schwenker wegen Untreue- und Betrugsverdachts. Zudem hat die Staatsanwaltschaft laut Schulze-Ziffer lang erwartete Reaktionen auf Rechtshilfeersuchen aus dem Ausland erhalten. "Da sind Antworten gekommen. Es steht noch ein bisschen was aus, aber das ist marginal", so Schulze-Ziffer weiter.
Schwenker steht unter dem Verdacht, mithilfe des früheren THW-Trainers Noka Serdarusic mindestens zehn Spiele in der Champions League inklusive des gewonnenen Finals 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt "erkauft" zu haben. Unklar ist in diesem Zusammenhang der Verbleib einer Summe von 152.000 Euro aus Schwenkers Amtszeit beim Rekordmeister.
Wie lange sich die Ermittlungen noch hinziehen werden, vermochte Schulze-Ziffer am Mittwoch nicht zu sagen: "Ein Ende hängt erstmal von den Einlassungen des Herrn Schwenker ab." Der 50-Jährige bestreitet jede Manipulation. Genauso wie Serdarusic hatte er zu den Ermittlungen ansonsten geschwiegen. "Vielleicht äußert sich auch Herr Serdarusic, wenn sich Herr Schwenker geäußert hat", sagt Schulze-Ziffer.
Auf Ergebnisse aus Kiel wartet auch der Europäische Handball-Verband EHF, in dessen Zuständigkeit die Champions League fällt. Erst mit dem Ende der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen will man in Wien mögliche sportrechtliche Konsequenzen ziehen. Die Vorwürfe gegen Schwenker und Serdarusic gründen sich auf Aussagen von Vereinsvertretern der Rhein-Neckar Löwen sowie des HSV Hamburg. Auf dem Anwesen des HSV-Präsidenten Andreas Rudolph soll Schwenker nach Angaben mehrerer Belastungszeugen bei einer Party im Sommer 2007 Manipulationen zugegeben haben. Ins Rollen gekommen war die Affäre im März durch einen Bericht des "Flensburger Tageblatts".
Um Licht in das Dunkel zu bringen, hatte die Staatsanwaltschaft Kiel ihre Ermittlungen auch auf die Herkunftsländer der Schiedsrichter von fraglichen Spielen in der Champions League ausgeweitet. Dazu wurden bereits im Frühjahr Rechtshilfeersuchen gestellt, auf die nun anscheinend Antworten gekommen sind. Auch die kroatischen Behörden wurden um Hilfe gebeten. Dort wird der frühere Spielervermittler Nenad Volarevic, ein Freund Serdarusics, verdächtigt. Er soll vom THW Kiel insgesamt 92.000 Euro erhalten haben. Es wird vermutet, dass er als Mittelsmann für Geldübergaben an Schiedsrichter fungiert hat.